Lebensmittel retten statt verschwenden
Elf Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr
Noch immer werden in Deutschland jedes Jahr rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Nach Angaben eines aktuellen Zeitungsberichts entsteht der größte Teil dieser Abfälle nicht im Handel, sondern in privaten Haushalten: Rund 58 Prozent – etwa 6,3 Millionen Tonnen – entfallen auf Verbraucherinnen und Verbraucher. Besonders häufig landen Obst, Gemüse, Brot und andere noch genießbare Lebensmittel im Müll.
Obwohl bereits 2019 eine nationale Strategie zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung beschlossen wurde, konnten die Abfallmengen bisher kaum gesenkt werden. Das Ziel, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren, ist deshalb nur zu erreichen, wenn Politik, Handel, Gastronomie und private Haushalte gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Andere Länder zeigen, was möglich ist
Ein Blick nach Frankreich macht deutlich, dass erhebliche Fortschritte möglich sind. Dort ist der Handel bereits seit 2016 verpflichtet, überschüssige Lebensmittel an gemeinnützige Einrichtungen weiterzugeben. Gleichzeitig erhalten die spendenden Unternehmen steuerliche Vorteile. Auf diese Weise können Lebensmittel gerettet und an Menschen weitergegeben werden, die Unterstützung benötigen.
Während in Frankreich die jährliche Menge an Lebensmittelabfällen innerhalb von zehn Jahren von 108 auf 58 Kilogramm pro Person gesunken ist, liegt sie in Deutschland weiterhin bei rund 75 Kilogramm. Das zeigt: Freiwilliges Engagement ist wertvoll, braucht aber verlässliche Strukturen und möglichst viele Menschen, die sich daran beteiligen.
Unser Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung
Die Stiftung „Nächstenliebe in Aktion“ setzt sich bereits seit mehreren Jahren aktiv gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ein. In Zusammenarbeit mit den ehrenamtlich engagierten Lebensmittelretterinnen und Lebensmittelrettern der foodsharing-Gruppe Kaufbeuren erhalten wir regelmäßig Lebensmittel, die im Handel nicht mehr verkauft werden können, aber noch einwandfrei und genießbar sind.
Diese Waren werden in unserem Family Store in Neugablonz kostenlos angeboten. Dafür stehen zwei Kühlschränke sowie ein Regal zur Verfügung. Je nachdem, welche Lebensmittel gerettet werden konnten, finden sich dort beispielsweise Obst und Gemüse, Brot und Backwaren, Milchprodukte oder andere Waren des täglichen Bedarfs.
Was andernfalls möglicherweise vernichtet würde, kann auf diese Weise noch sinnvoll verwendet werden und Menschen zugutekommen. Gleichzeitig möchten wir das Bewusstsein dafür stärken, dass Lebensmittel kostbar sind und nicht selbstverständlich im Müll landen dürfen.
Lebensmittelrettung verbindet ökologische und soziale Verantwortung
Unser Lebensmittelangebot ist mehr als eine praktische Hilfe. Es verbindet den verantwortungsvollen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen mit gelebter Nächstenliebe. Lebensmittel werden vor der Vernichtung bewahrt, Menschen werden entlastet und zugleich entstehen im Family Store Begegnungen und persönliche Gespräche.
Für uns bedeutet der Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung deshalb:
- wertvolle Lebensmittel retten,
- Menschen ganz praktisch unterstützen,
- Ressourcen und Umwelt schonen,
- Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Konsum schaffen und
- Nächstenliebe im Alltag sichtbar werden lassen.
Wir danken allen Lebensmittelmärkten, Bäckereien, Betrieben sowie den engagierten Helferinnen und Helfern von foodsharing die diese wichtige Arbeit ermöglichen. Ihr Einsatz zeigt, dass jeder gerettete Laib Brot, jedes Stück Obst und jedes weitergegebene Lebensmittel einen Unterschied machen kann.
Jeder kann mithelfen
Auch im eigenen Haushalt lässt sich Lebensmittelverschwendung vermeiden: durch einen bewussten Einkauf, kleinere Mengen, die richtige Lagerung und einen kreativen Umgang mit Resten. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist zudem kein automatisches Wegwerfdatum. Viele Produkte sind auch danach noch einwandfrei genießbar.
Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass weniger Lebensmittel vernichtet werden und das, was noch gut ist, dort ankommt, wo es gebraucht wird. Denn Lebensmittel sind wertvoll – und viel zu schade für den Müll.

